Hauptseite

Aus Morsleben

Wechseln zu: Navigation, Suche
Förderturm des Endlagers Morsleben

Inhaltsverzeichnis

13. Oktober - 10. November 2011: Erörterungstermin zur Stilllegung der Atommüllkippe Morsleben in Oschersleben

Am 25. November ist der Erörterungstermin vorzeitig beendet worden[1] - ohne dass alle EinwenderInnen angehört wurden. Welche Auswirkungen dies auf das weitere Verfahren haben wird, muss sich zeigen.[2]

Die Auslegung der Planunterlagen des Bundesamtes für Strahlenschutz (= Betreiber des Endlagers Morsleben) ist abgeschlossen. Es gab Muster-Sammeleinwendung von der Morsleben-Kampagne, dem BUND Sachsen-Anhalt und von der BI Helmstedt gegen das verfolgte Stilllegungskonzept zum Ausdrucken und Unterschriften sammeln. Trotz der schwerwiegenden Sicherheitsprobleme in Morsleben will das BfS den Atommüll in der feuchten einsturzgefährdeten Höhle lassen!

Nun hat das Landes-Umweltministerium in Magdeburg, das über die Pläne des BfS in Morsleben entscheidet, die Einwendungen gesichtet und einen halb-öffentlichen Erörterungstermin vorbereitet. Dieser ist ein weiterer wichtiger Auseinandersetzungsort der Öffentlichkeitsarbeit gegen die Atommülllagerung in Morsleben sein. Nach Planfeststellungsbeschluss (die Entscheidung über die Stilllegungspläne des BfS) besteht für diejenigen, die Einwendungen eingereicht hatten, Klagemöglichkeit gegen die Entscheidung.


Aktuelle Termine:


Presse:


Material:


Presseinfos:


Vergangene Termine:



Einführung

Im Dorf Morsleben im früheren Grenzgebiet zwischen DDR und BRD bei Helmstedt befindet sich das zentrale Endlager für radioaktiven Atommüll der ehemaligen DDR. Die Atomanlage wurde 1990 von der Bundesregierung übernommen. Den größten Teil des radioaktiven Inventars stellen inzwischen Abfälle aus bundesdeutschen Atomkraftwerken dar.

Das ERAM ist ein ehemaliges Kali- und Steinsalz-Bergwerk. Es wurde 1969 zum Standort für die Atommüll-Endlagerung der DDR ernannt.


Zeittafel

  • 1969 Die Staatliche Zentrale für Strahlenschutz bestimmt Morsleben zum Standort für die Zentrale Endlagerung aller Arten radioaktiver Abfälle der DDR
  • 1971/72 erste Einlagerungen von 500 m³ Atommüll noch vor dem Umbau zum Endlager
  • 1972/73 Standortgenehmigung; Einlagerungen in den 1970er Jahren vor der offiziellen Inbetriebnahme
  • 1978/79 Inbetriebnahmegenehmigung
  • 1981 Genehmigung des auf fünf Jahre befristeten Dauerbetriebs.
  • 1986 Erteilung der unbefristeten Dauerbetriebsgenehmigung durch die DDR-Behörden
  • ab 1991 In Verantwortung der Bundesregierung wird in Morsleben zusätzlich erheblich mehr Atommüll eingelagert als zu DDR-Zeiten. Ein Langzeitsicherheitsnachweis wird nicht erbracht.
  • ab 1995 Im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung werden Daten für ein umfassendes hydrogeologisches Gutachten erhoben. Die Ergebnisse werden nicht veröffentlicht.
  • 1998 Eine Klage von UmweltschützerInnen stoppt den Einlagerungsbetrieb. In der Folge verzichtet die Bundesregierung endgültig auf die Teile der Betriebsgenehmigung zur Einlagerung.
  • 2001 Bei einem “Löserfall” stürzen mehrere tausend Tonnen Salzgestein aus einer Decke herab. Auf Anordnung des Bergamts wird wegen akuter Einsturzgefahr 2003 mit "vorgezogenen Versatzmaßnahmen" im Zentralteil des ERAM begonnen
  • 2009 Ein 20.000 t Löserfall droht im Zentralteil. Daraufhin erneute Notverfüllung mit Salzbeton.
  • 2009 Auslegung der Planfeststellungsunterlagen und Einwendungsphase.
  • 2011 Im Erörterungstermin werden die mehr als 13.000 Einwendungen besprochen.


Radioaktives Inventar

Im ERAM lagern insgesamt 36.753 Kubikmeter niedrig- und mittelradioaktive Abfälle mit einer Gesamtaktivität von etwa 3.8E+14 Bq. Davon wurden 14.432 Kubikmeter in den Jahren 1971 bis 1991 und ungefähr 22.320 Kubikmeter von 1994 bis 1998 eingelagert.

Flüssige radioaktive Abfälle wurden auf eine Schicht Braunkohlenfilterasche versprüht, in der Annahme, dass dieses Gemisch sich verfestigen würde. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht und große Mengen radioaktiver Flüssigkeiten drangen bis in die unteren Sohlen des Bergwerks ein. Später wurde ein anderes Verfahren eingesetzt - bald nach Übernahme des Endlagers durch die Bundesregierung wurde dieses aber ebenfalls gestoppt.

Feste radioaktive Abfälle wurden zum Teil lose oder in Fässern in Einlagerungshohlräume verstürzt oder fassweise gestapelt. Beim Versturz wurden bereits viele Fässer beschädigt. Strahlenquellen wurden zum Teil in Bohrlöchern versenkt.


Karte der Wasserzuflüsse im ERAM

Sicherheitsprobleme

Schon 1969 war die Einsturzgefahr (”Gefährdung der Standsicherheit von Grubenteilen”) in Morsleben bekannt. Damit war dieses Wissen bereits vor den ersten Genehmigungen für den Betrieb des ERAM vorhanden.

Auch Wasserzuflüsse sind hier ein lange bekanntes Problem. Seit vielen Jahrzehnten werden fünf Zuflussstellen genau dokumentiert. Bei einem davon besteht nachweislich eine Verbindung zum Deckgebirge. Eine Vielzahl weiterer Zuflüsse, die bis dahin vertuscht worden waren, deckte Greenpeace in den 1990ern auf.

Grundsätzliche geologische Nachteile wirken sich ebenfalls auf die Sicherheit des Endlagers aus: Der Salzstock ist von porösen (z.B. Hauptanhydrit) und sehr leicht wasserlöslichen Gesteinsschichten (z.B. Kaliflöz) durchzogen. Damit steigt die Gefahr eindringender Wässer, weil diese leichte Angriffspunkte vorfinden und auch die Standsicherheit des Bergwerkes wird gefährdet. Die verschiedenen Gefährdungsfaktoren (mangelnde Standsicherheit, Wasserzuflüsse, Bewegungen im Gebirge) beeinflussen sich gegenseitig und verstärken sich.

Durch die hohe Komplexität des Endlagers werden Sicherheitsabschätzungen erschwert. Sieben "Sohlen"/Ebenen, hunderte von Kavernen, Stollen, Schächten und Verbindungsgängen machen das ERAM zusammen mit der wild gefalteten geologischen Situation zu einem unkalkulierbaren Risiko.

In den letzten Jahren ereigneten sich drei größere akute Gefahrensituationen, die sofortige Abwehrmaßnahmen erforderten: Ende 2000 mussten mehrere Kammern im Südfeld des Endlagers mit Salzgrus abgedeckt werden, um zu verhindern, dass herabstürzende Deckenteile den dort lagernden Atommüll aufwirbeln und sich über die Lüftungsanlage verbreiten. Im Oktober 2003 begann eine weitere Gefahrenabwehrmaßnahme, die der drohenden Einsturzgefahr im Zentralteil des Endlagers entgegenwirken soll, indem etwa 935.000 Kubikmeter Salzbeton in das Endlager eingebracht wurden. Nachdem ein weiterer, noch um ein Vielfaches größerer, drohender Löserfall im Zentralteil festgestellt wurde, der erdbebenartige Auswirkungen haben könnte, wurden zusätzliche Notverfüllungsmaßnahmen eingeleitet.


Forderungen

  • Atommüll-Produktion stoppen - sofortige Abschaltung aller Atomanlagen weltweit!
  • Bergung des Atommülls aus Morsleben - die Situation untertage ist unbeherrschbar!
  • Gutachten und alle anderen Unterlagen zum Endlager Morsleben müssen der kritischen Öffentlichkeit vollständig zur Verfügung gestellt werden.
  • Echte Mitbestimmung durch die von der Atommüll-Misere betroffenen Menschen statt Pseudo-Beteiligung.
  • Keine faulen Kompromisse zulasten von Menschen und Umwelt.


Unabhängige Organisationen

Greenkids e.V.

Postfach 32 01 19 | D-39040 Magdeburg
Tel.: +49 3431 5894170 | morsleben ÄTT greenkids.de[3]
Aktivitäten: Morsleben-Archiv, Hintergrundrecherchen

Initiative gegen das Atommüll-Endlager Morsleben

Rostocker Str. 5 | D-38350 Helmstedt
Tel.: +49 53 51 / 41 861
Aktivitäten: Standortinitiative

Morsleben-Netzwerk

Am Bärental 6 | D-04720 Ebersbach OT Mannsdorf
Tel.: +49 3431 5894177
kontakt ÄTT morsleben-stillegung.de[3]
Aktivitäten: Informationen, Vernetzung, politische Arbeit

Kunstprojekt “steine für morsLeben”

Kirsten Neubig | Dorfstr. 11 | D-39638 Zobbenitz
Tel.: +49 39 056 / 51 039


... unterstützen

Neben der Mitarbeit bei den untenstehenden Organisationen können Sie unsere kritische Arbeit zum Atommüll-Endlager auch durch eine Spende unterstützen:

  • Kontoinhaber: Greenkids e.V
  • Kontonummer: 110 17 40 600
  • Bankleitzahl: 430 60 96 72
  • Kreditinstitut: GLS Bank

oder:

  • Kontoinhaber: Initiative Morsleben
  • Kontonummer: 7 215 270
  • Bankleitzahl: 259 500 00
  • Kreditinstitut: Nord/LB Helmstedt

oder:

  • Kontoinhaber: Kirsten Neubig
  • Kontonummer: 125 996 108
  • Bankleitzahl: 100 100 10
  • Kreditinstitut: Postbank Berlin
  • Verwendungszweck: "steine für morsLeben"


Internetseiten...


Diesen Text als Flyer (A4, doppelseitig, 600dpi) herunterladen (ca. 1,2 MB). English version


Die bisher unter http://www.morsleben-stillegung.de befindliche WebSite ist nun hier zu finden: http://www.morsleben-stillegung.de/alteWebSite/

  1. http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Bibliothek_Politik_und_Verwaltung/Bibliothek_MLU/PDF/144-2011.pdf vom 26.10.2011
  2. http://www.contratom.de/2011/10/26/erorterungsverfahren-zu-morslebenschliesung-vorzeitig-beendet/#more-4017 vom 26.10.2011
  3. 3,0 3,1 Zum Schutz vor automatischen Mailadressen-Robots, die nach Adressen suchen und diese dann mit Spam-Mails überfluten, ist diese Mailadresse für diese Robots unleserlich formatiert. Um eine korrekte Mailadresse zu erhalten muss ÄTT durch das @-Symbol ersetzt werden.

Persönliche Werkzeuge