Beteuerung einer sicheren Endlagerung in Morsleben ist Vorwand zum Ausbau der Atomkraftnutzung
Aus Morsleben
Artikel im Wochenspiegel
Was wird aus der Energieversorgung? Ulrich Petzold im Endlager Morsleben Wittenberg (wm). „Die nächste Bundestagswahl wird auch über das Thema der Sicherheit der Energieversorgung in unserem Lande entschieden“, glaubt Petzold und befürchtet einen hitzigen Wahlkampf, der mehr über das Spiel mit der Angst statt mit Sachargumenten geführt werden wird. „Kann es sich die nächste Bundesregierung wirklich leisten, beim von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg zu bleiben, oder muss angesichts der Energieknappheit und der auf den Weltmärkten explodierenden Preise für Öl und Gas über eine Laufzeitverlängerung für die bestehenden Atomkraftwerke nachgedacht werden?“, lautet eine weitere Frage, die der dringenden Beantwortung bedarf. Denn wenn vorhandene Kernkraftwerke weiter genutzt werden sollen, wird es auch um erhebliche Investitionen gehen, denn: „Die Sicherheitstechnik muss immer auf dem neuesten Stand gehalten werden, auch deshalb brauchen wir rasch eine Entscheidung über die weitere Nutzung der Kernenergie in Deutschland“. Noch nicht befriedigend gelöst sei in diesem Zusammenhang die Frage der Endlagerung abgebrannter Brennstäbe. „Über die Frage, ob es eine sichere Endlagerung gibt, wird nicht wirklich nachgedacht, sondern oberflächlich ideologisch gestritten“, meint Petzold, der sich als Mitglied des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit intensiv auch mit diesem Thema befasst. Deshalb besuchte Petzold gemeinsam mit den CDU-Abgeordneten Dr. Maria Flachsbarth und Bernhard Schulte-Drüggelte das Endlager im sachsen-anhaltischen Morsleben, in dem ein Teil schon zu DDR-Zeiten unter hoher Geheimhaltung als Endlager für radioaktive Abfälle genutzt worden ist und für das in 1990 das Bundesamt für Strahlenschutz die Verantwortung übernommen hat. Schon sehr früh sei mit einer Sicherung des Endlagers Morsleben begonnen worden, berichtet Petzold, und das unterscheide Morsleben deutlich vom Versuchsendlager Asse in Niedersachsen. „Dabei fließt mit Salz gesättigter Beton ähnlich wie Estrich in die Ablagerungskammern und verfüllt sie so, dass diese gegen Einbrechen und Eindringen von Wasser stabilisiert werden“, berichtet Petzold. Mit dieser Methode seien schon weite Teile des zu sichernden Bereichs verfüllt. „Die Erkenntnisse zur Abdichtung von Abbaukammern und ganzen Bergwerksbereichen sind eine wichtige wissenschaftliche Vorarbeit, um eine Ablagerung von radioaktiven Stoffen verantwortlich vornehmen zu können“, berichtet Petzold. Dafür würden die Bundesanstalt für Strahlenforschung, die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern und das Land Sachsen-Anhalt als Aufsichtsbehörde eine gute Arbeit leisten. „Der Einschluss von radioaktiven Stoffen in Salzbeton scheint nach allen bisherigen Erkenntnissen sinnvoll zu sein“, berichte Petzold von seinem Besuch in Morsleben, „bisher wurde nichts gefunden, was einer Endlagerung von abgebrannten Brennstäben nach dieser Methode widerspricht. Diese Erkenntnisse sollten für eine wirklich sachliche Diskussion über das Thema weitere Nutzung von Kernenergie genutzt werden.“ Quelle / Originallink: http://www.wochenspiegel-web.de/scms_show_data.php?mode=detail&category=25&entry=10115
Anmerkungen
- Der Artikel feiert Morsleben und die laufenden Arbeiten dort als vorbildlich ab. Ausgeblendet wird die katastrophale Sicherheitslage der eingelagerten Stoffe, die Einsturzgefahr, die eindringenden Wässer und insbesondere die Kritik von Umweltorganisationen und betroffenen AnwohnerInnen.
- Was im vorletzten Absatz des Artikels als "wissenschaftliche Vorarbeit" beschönigt wird, ist ein großtechnisches Experiment mit offenem Ausgang. Noch nie wurden die angewendeten Verfahren für die sichere Beseitigung radioaktiver Stoffe genutzt. Es gibt keinerlei Erfahrungen damit, wie sich das eingefüllte Material verhalten wird. Für möglicherweise auftretende Probleme gibt es keine praxiserprobten Verfahren.
- Petzold (der CDU-Abgeordnete) betreibt im letzten Absatz des Artikels eine Strategie, die aus der angeblich sicheren Endlagerung in der Atommüllkippe Morsleben schlussfolgert, dass problemlos weiterhin Atommüll produziert und damit weiter Atomkraftwerke betrieben werden können.

